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Sumbarcher Arpflsklüeß und Coburger Schmätzchen

Keine Frage des Geschmacks, der ist allemal köstlich. Klar wie Kloßbrühe - na klar, und in jedem Fall eine Frage der Herkunft. Coburg.Rennsteig bietet gleich mehrere Spezialitäten mit doppelter Identität.

Coburger Rutscher, ein besonderer Kloß, mit Sonntagsbraten

Gerade in der Vorweihnachtszeit schmecken Lebkuchen und regionale Köstlichkeiten am besten. Was gibt es schöneres als über die hiesigen Weihnachtsmärkte zu flanieren und bei niedrigen Temperaturen Glühwein, Punsch oder eine heiße Bratwurst zu kosten. Auswahl bietet die Urlaubsregion Coburg.Rennsteig reichlich. Ob süß oder deftig, der Raum Coburg und Sonneberg bietet die unterschiedlichsten Spezialitäten.

Die Sumbarcher und die Coborcher Broudwörscht

Sie werden beide in einer längst aufgeschnittenen Semmel serviert, duften aromatisch und schmecken frisch vom Grill einfach unvergleichlich: die Sumbarcher und die Coborcher Broudwörscht (auf hochdeutsch: Sonneberger und Coburger Rostbratwurst). Manchmal scheidet die leckere Spezialität, die es sowohl in Coburg als auch in Sonneberg gibt, die Geister: Dann streiten sich Wurstliebhaber, ob die berühmte Bratwurst auf Sonneberger Seite, wo sie puristisch mit Salz und Pfeffer gewürzt wird oder innerhalb der Grenzen Coburgs – hier wird die Füllung mit etwas Muskat oder Zitrone verfeinert – besser schmeckt. Aber das passiert nur bei großem Hungergefühlt, meistens bleibt es bei einem genießerischem Geplänkel, wenn es um die Geschmacksnerven der Ländernachbarn geht. In beiden Regionen werden die Bratwürste mal pur und fleischig, mal mit Senf gegessen. Nur Banausen oder kindliche Wurstfans ertränken die heiße Köstlichkeit in Ketschup. Gerade auf Weihnachtsmärkten und bei Feierlichkeiten sind Bratwürste nicht nur bei Einheimischen ein beliebter Snack.

Regionale Produkte beliebt wie nie

Schmankerln und Feines aus der regionalen Küche bieten Coburg und Sonneberg gleichermaßen. In der Vestestadt wurde sogar eine eigene Genussregion ins Leben gerufen, die regionale Spezialitäten und Anbieter vereint. Wer die ganze kulinarische Vielfalt kennenlernen möchte, der sollte den Coburger Bauernmarkt der Direkterzeuger am Samstag im Steinweg besuchen, um heimische Käse- und Wurstsorten, Honig, Gemüse oder Brote zu kosten.

Zweimal Kloß mit Soß

Beim Oberlinder Bauernmarkt, der jedes Jahr im Oktober nahe bei Sonneberg stattfindet, bieten ebenfalls nur Selbsterzeuger ihre Spezialitäten an. Dort kaufen Köche gerne auch die Kartoffeln für eine weitere Besonderheit, die die regionalen Küchen verbindet: Neben den Bratwürsten haben auch die beliebten Klöße gemeinsame Wurzeln, wenn auch ungleiche Namen: Sumbarcher Arpflsklüeß und die Coborcher Rutscher sind beide eine Delikatesse und werden als Beilage zu Sauerbraten, Rouladen oder Rinderbraten nicht nur an Festtagen, sondern auch gern unter der Woche serviert.

Der Rutscher ist die in Coburg typische Variante des rohen oder grünen Kartoffelkloßes, der hier eine sehr weiche, fluffige Konsistenz hat. In der Rezeptur ähnelt er den Thüringer Klößen, wird aber mit einem höheren Anteil an gekochten Kartoffeln zubereitet. Häufig wird der Kloß mit "Bröckala" – in Butter ausgelassene Semmelwürfelchen - gefüllt, eine Tradition, die ihn vom thüringischen Urrezept unterscheidet. In Soße schwimmend zerfließen die Rutscher fast auf dem Teller. Sie gelten als Urform des von Thüringen nach Franken eingewanderten Kloßes.

In Sonneberg zieren die Sumbarcher Arpflsklüeß – Sonneberger Kartoffelklöße - als Beilage die Teller. Auch sie sind eine Variante des Thüringer Kloßes und werden aus rohen geriebenen und gekochten Kartoffeln zubereitet. Heiß und lecker können sie von Feinschmeckern die ganze Woche über in Restaurants und Gaststätten genossen werden.

In Coburg gibt es für bekennende Fans der runden Kartoffelspezialität einmal im Jahr Ende August den Coburger Klößmarkt, der neben den traditionellen Rutschern, dann auch Besonderheiten wie Kloßpizza, Gnocchi und Kloß-Cordon Bleu bietet.

In Sonneberg verarbeitet man Kartoffeln gerne zu Detsch oder Detscher, also zu Kartoffelpuffern, die aus geriebenen Kartoffeln, Zwiebel, Ei, Mehl und Salz hergestellt werden. In heißem Fett ausgebraten werden die Detscher gerne auch süß mit Birnen- oder Apfelkompott serviert.

Küsschen aus Coburg

Wer es noch etwas süßer mag, der kann sich in Coburg ein „Küsschen“ bestellen. Keines aus Luft und Liebe, sondern ein fein würziges Honigplätzchen, das in der Vestestadt als bekannteste süße Spezialität gilt: das Coburger Schmätzchen (Küsschen). Gebacken wird es seit dem 19. Jahrhundert in der Lebkuchen- und Feingebäckmanufaktur Feyler, die 1892 von Bäckermeister Wilhelm Feyler gegründet wurde. Ein geschätzter Meister seiner Zunft und ein kreativer Kopf, denn seine Backwaren wurden sogar zu Fürstenhochzeiten bestellt. Herzog Alfred verlieh ihm den Titel des Hofbäckers als Anerkennung für hohe Qualität. 1907 folgte die Ernennung zum Hoflieferanten durch „Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit Frau Herzogin Marie von Sachsen Coburg und Gotha, Großfürstin von Russland“. „Die „Coburger Schmätzchen“ sind eine Eigenkreation Wilhelm Feylers, die auch nach über 100 Jahren nach altem Familienrezept - mit oder ohne Blattgold verziert - aus Bienenhonig, Mandeln, Haselnüssen und einer besonderen Gewürzmischung gebacken werden. In ganz Europa machte der Konditor seine Schmätzchen bekannt, denn er nahm an den Weltausstellungen in Paris, Brüssel und Berlin teil, wo seine Spezialitäten mit Goldmedaillen und Ehrenkreuz ausgezeichnet wurden. Die Lebküchnerei gehört in Coburg zu den alteingesessenen Berufsständen. Bereits 1643 bildete diese Berufsgruppe eine eigene Zunft, während in anderen oberfränkischen Städten die Lebküchner oftmals zur allgemeinen Zunft der Bäcker gezählt wurden. Manchmal in der Vorweihnachtszeit ist die Luft rund um die Coburger Rosengasse, wo die Lebkuchen- und Feingebäckmanufaktur ihren Sitz hat, von einem köstlichen Duft nach frisch Gebackenem erfüllt, der Hungrige wie von Zauberhand in die Verkaufsräume lockt.

Coburger Hoflikör

Und noch eine Coburger Spezialität ist gerade im Winter beliebt, weil sie ebenso lecker wie gesund ist: Der berühmte Hoflikör, ein Kräutertrunk, der nach Jahrhunderte altem überlieferten Rezept in der Coburger Hofapotheke hergestellt und verkauft wird.Der Likör wird in aufwendiger Handarbeit aus rund 30 Kräutern zusammen gemischt. Er schmeckt wohltuend süß, gleichzeitig kräftig und würzig. Das Rezept ist streng geheim und einmalig. Genauso wie der große Kräuterboden im Dachgiebel der Hofapotheke, wo in alten Tonnen aus Buchenholz über 130 Kräuter gelagert werden. Einige davon kommen auch in den Coburger Hoflikör. Ein passendes Getränk, um auch zur Jahreswende auf ein gesundes neues Jahr anzustoßen.