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Fasspichen Kommunbrauerei Lindenau, Brautradition in Coburg Rennsteig

Fasspichen in Lindenau

Schon von weitem steigt mir der beißende Geruch von Teer und Rauch in die Nase. Ich bin auf dem Weg zum Brauhaus in Lindenau, einem Ortsteil von Bad Colberg-Heldburg. Dort bin ich mit dem Braumeister Egon Meister verabredet.

Je näher ich komme, desto größer wird meine Spannung: Er zeigt mir heute eine schon fast vergessene Tradition des Brauereihandwerks, die er und der Brauverein Lindenau noch heute praktizieren. Beim „Fasspichen“ bin ich heute dabei, ein Handwerk das heute kaum noch zu finden ist. In der Braugemeinschaft Lindenau wird das Wissen jedoch seit Generationen weitergegeben.

Dass Egon Meister das Brauen und die Weitergabe der alten Traditionen am Herzen liegen, merkt man sofort. Schon als Kind war er bei jedem Brauvorgang mit dabei und hat dem Großvater beim Brauen über die Schultern geschaut, erzählt er mir. Auch der Urgroßvater hat schon gebraut und die Fässer, die heute gepicht werden, stammen teilweise noch aus dessen Zeit.

Schon lange wird in den großen Brauereien dieses mühevolle Handwerk nicht mehr praktiziert. Vor 40 Jahren haben auch noch die großen Brauereien gepicht, weiß Egon Meister. Der Trend geht nun aber zum Edelstahl, weil ein Holzfass viel Arbeit macht und gepflegt werden muss. Ein großer materieller und finanzieller Aufwand, denn Pech ist teuer geworden. Warum in Lindenau noch heute gepicht wird? Das Fass wird dicht und hygienisch – und gibt dem Bier einen einzigartigen und unverkennbaren Geschmack. Der gehört einfach dazu, schmunzelt der Braumeister.

„Vor einer guten Woche haben wir wieder einen Sud angesetzt“, berichtet er mir. Nach der ersten Gärung im Braukessel, muss das Bier noch 5 bis 6 Wochen in den Fässern nachgären. In den Holzfässern, die in den alten Bierkellern im Wald gelagert werden, geht das am besten. Sie halten die Temperatur und ermöglichen eine gleichmäßige Gärung. Dazu muss aber auch die Außentemperatur stimmen – im Sommer und Winter können wir auf keinen Fall brauen, antwortet er mir fast ein bisschen erschrocken auf meine Frage, ob ganzjährig gebraut werden kann. Nur im Frühjahr und im Herbst gibt es das Bier aus dem Brauhaus in Lindenau.

Dann geht es endlich ans Pichen! „Gepicht wird vor jedem Brauvorgang“, erklärt Egon Meister. Gelernt hat er das Handwerk damals von seinem Nachbarn, dessen Vorfahren Böttcher waren. Heute steht er noch mit Rat und Tat an der Seite seines Sohnes – denn an ihn hat er das Handwerk inzwischen weitergegeben.

Die Fassböden sind bereits aufgeschlagen. Im Inneren eines Fasses wird Fichtenpech entzündet – sofort lodern helle Flammen heraus. Durch die Hitze werden das alte und das neue Pech flüssig. Mit dem Fassboden werden die Flammen dann wieder erstickt und dieser wieder befestigt. „Jetzt muss das Fass noch gerollt werden“, erklärt mir der Braumeister. Ich folge der Gruppe vor das Brauhaus, wo bereits eine lange „Rollbahn“ aus Baumstämmen aufgebaut ist. Die starken Männer wuchten das Fass nach oben. Hin und her wird es gerollt, um das Pech im Innern zu verteilen bis es trocken ist. Dann geht es direkt mit dem nächsten Fass weiter – denn 150-160 Liter Bier haben sie in den nächsten Tagen abzufüllen. Das Brauhausfest steht an, freut sich Egon Meister. Da werden einige Fässer benötigt, denn mit der Zeit werden die Fässer durch das Pech im Inneren immer ein bisschen kleiner.

Übrigens: Das Bier ist in der Regel nur zum Eigenbedarf für die Mitglieder gedacht – bei meinem Besuch kam ich aber in den Genuss einen kleinen Schluck aus dem Braukessel zu probieren. Wer sich selbst davon überzeugen will, bekommt sicher bei einem der Brauhausfeste einen Probeschluck.