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Samba & Bier, ein Unikum in Coburg

Über das oberfränkische Bier, kulinarische Kreativität, Phänomene, Herzöge und Samba. Eine rheinische Frohnatur wird Biersommelier in Oberfranken.

Christoph Pilarzyk, Bierland Oberfranken © Mattias Rotter | Braugasthof Grosch, Christoph Pilarzyk

Christoph Pilarzyk ist Biersommelier & Geschäftsführender Vorstand Bierland Oberfranken e. V., Chef des Braugasthofs Grosch, Rödental, Veranstalter des Sambafestivals Coburg. 

Herr Pilarzyk, wie kaum ein anderer sind Sie vertraut mit der kulinarischen Kreativität dieser Region. Was macht aus Ihrer Sicht den besonderen Reiz Ihrer Wahlheimat aus?

Christof Pilarzyk: „Als ich vor über 20 Jahren aus Wiesbaden hierher kam, war ich verblüfft über die Konsequenz und auch die Selbstverständlichkeit, mit der das kulinarische Erbe aus Generationen in die Gegenwart weitergetragen wurde. Hier gab es und gibt es heute eine authentische Küche, die Trends und Einflüsse aus anderen Gegenden behutsam aufgenommen hat, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Regionale und saisonale Qualität sind hier keine leeren Worthülsen, sondern gelebte Kultur.“

Ist das ein oberfränkisches Phänomen?

Christof Pilarzyk: „Erstaunlicherweise nicht. Obwohl das Coburger Land und unsere Nachbarn in Thüringen über Jahrzehnte durch den eisernen Vorhang getrennt waren, haben uns unsere historisch verwurzelten Gemeinsamkeiten schnell wieder zusammengebracht. Ein gutes Beispiel ist das Bier: Die Begeisterung, das handwerkliche Können und die Kreativität teilen Brauer im Coburger Land mit ihren Kollegen aus den Kreisen Sonneberg und Hildburghausen. Praktisch jede Woche entsteht etwas Neues, das in ganz Deutschland für Aufsehen sorgt.“

Welche historischen Gemeinsamkeiten meinen Sie?

Christof Pilarzyk: „Zweifellos spielt das Herzogtum Coburg-Sachsen-Gotha eine wichtige Rolle. Die Herzöge haben in der Region regiert, sich aber dabei auf internationalem Parkett bewegt. Das schaffte die Notwendigkeit und die Gelegenheit, der Region mit der kulturellen auch eine kulinarische Identität zu geben. Zugleich fiel es den Menschen leichter, die Welt mit anderen Augen, einfach offener zu betrachten. Heute zeigt sich das etwa am Sambafestival, das einmal im Jahr ein Stück Brasilien nach Coburg bringt und von Einheimischen mit Hunderttausenden angereister Besucher gemeinsam zelebriert wird.“

Sind die Menschen hier besser als anderswo?

Christof Pilarzyk (lacht): „Wohl nicht, aber anders eben. Da ich aus einem Ballungszentrum stamme und den Großstadtzirkus kenne, kann ich diese Region aus gutem Grund als Kleinod bezeichnen. Die Menschen sind aufgeschlossen, herzlich und echt, einfach zum Verlieben. So erging es ja auch mir.“

Herzlichen Dank für das Gespräch!